»Großbritannien ist schön – aber nicht genug«

von: Maria Birkmeir  (PAD Social Media Team)

Jack_Ford_Foto

Von einer Kleinstadt in Nordengland in ein bayerisches Dorf nahe Traunstein: Mit dem Internationalen Preisträgerprogramm lernte Jack Ford 2014 nicht nur Städte wie Berlin und Bonn kennen, sondern auch den Chiemgau. Mittlerweile studiert er Germanistik und Geschichte an der Universität Oxford ‒ und ist für zwei Auslandssemester zurück nach Bonn gekommen. Wir haben ihn interviewt.

Jack, wenn Du an das Programm zurückdenkst, woran erinnerst Du Dich besonders gut?

Ein besonderes Highlight war für mich die Führung bei der Deutschen Welle in Bonn. Der Sender hat so tolle Angebote für Deutschlerner auf der ganzen Welt und auch Sendungen in anderen Sprachen. Dadurch wird die deutsche Kultur offen für alle. Und dann gab es dort so viele begeisterte Mitarbeiter, die glauben sie können die Welt verändern! Das war wirklich ein Erlebnis.

Hattest Du nach den vier Wochen weiterhin Kontakt zu anderen Preisträgern?

Fünf Leute aus meiner Gruppe konnte ich danach nochmal treffen. Ein Chinese hat mich sogar besucht und war an Weihnachten bei meiner Familie. Dass ich jetzt so viele Kontakte in der ganzen Welt habe, verdanke ich sicher auch diesem Programm.

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Jack mit seiner Reisegruppe (2014)

Wie hat sich Deine Perspektive geändert?

Ich hatte vorher keine rechte Vorstellung davon, was ich in Zukunft machen will. Für ein Studium zum Beispiel dachte ich auch über Naturwissenschaften nach. Durch den Aufenthalt in Deutschland hat allerdings mein Interesse an Fremdsprachen zugenommen. Ich habe mich deshalb bewusst für Geschichte und Deutsch in Oxford beworben. Einen Teil des Auswahlgesprächs musste ich dort auch auf Deutsch führen. Dafür hat mir das Internationale Preisträgerprogramm geholfen. Anschließend hatte ich nochmal Glück: An der Universität Oxford gab es zusätzlich das Angebot, Jiddisch zu lernen. Das ist eine so schöne Sprache – und sie hat auch viel mit der Geschichte der deutschen Sprache zu tun.

Wie hast Du den Brexit letztes Jahr erlebt?

Das war schwer, denn alle meine Ideen und Pläne basieren auf Europa mit seiner Freizügigkeit und dem Zusammenhalt. Ganz ehrlich: Ich finde Großbritannien sehr schön, aber es ist für mich nicht genug. Ich dachte immer, Europa steht mir offen. Und dann musste ich lernen, dass es viele Menschen gibt, die eine ganz andere Meinung haben. Ich habe mich aktiv am Wahlkampf beteiligt, habe stundenlang auf der Straße mit Leuten diskutiert, telefoniert, an Türen geklopft. Und am Ende alles vergeblich. Ich habe wirklich nicht gewusst, wie ich damit umgehen soll. Es war schrecklich.

Wie geht es für Dich persönlich weiter?

Ich möchte gerne einen Master in Berlin machen. Es gibt dort einen Studiengang für Europäische Geschichte, der mich interessiert. Hier an der Universität Bonn habe ich mich im ersten Semester viel mit Polnisch beschäftigt – das wurde meine neue Leidenschaft und fühle mich fast ein bisschen schlecht, dass ich das Deutschlernen darüber etwas vernachlässigt habe.

Wir wünschen Jack alles Gute für die Zukunft!

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Das Interview mit Jack Ford ist auch hier im „Austausch bildet“ Magazin erschienen. „Austausch bildet“ wird zweimal pro Jahr veröffentlicht und kann beim PAD kostenlos abonniert werden.

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