Das kleine PAD-ABC

von Johann Schmolke

PAD- sobald ich das Wort höre, lese oder denke, schreit unweigerlich eine zarte Stimme mit aller Kraft in meinem Kopf: „einsteigen!“ Dieser unwiderruflich eingebrannte Ruf, der den Prozess des Einsteigens in ein beliebiges Verkehrsmittel einleitet, ist wohl allen Mitwirkenden des Internationalen Preisträgerprogramms bekannt. Wenn man davon absieht, dass die reflexartige Reaktion des imaginären Stimmleins das Scheiben des Blogbeitrags nicht gerade vereinfacht, so liefert es doch zumindest einige Stichworte, die in einem kleinen PAD-ABC nicht fehlen dürfen.

Denn zweifellos gibt es beim PAD ein ganz besonderes Vokabular, mit dessen Bedeutung und Anwendung die Mitglieder der Reisegruppe zumindest am Ende des Aufenthaltes in Deutschland bestens vertraut sind. Ein kleiner Auszug, den ein jeder von uns sicherlich noch mit einigen weiteren Vokabeln auffüllen kann.
Hin und wieder hört man mal ein zurechtweisendes „Deutsch!“ aus dem Munde der Reiseleitung, seltener von einem Preisträger. Unwissende könnten den Kontext der Aufforderung missverstehen und den Absender irgendeiner verwirrten radikal-nationalistischen Gruppierung zuordnen, die aus lauter Angst vor fremden Spracheinflüssen sogar das lateinisch-stämmige Wort „Nase“ durch den urgermanischen Begriff „Gesichtserker“ ersetzen würden. Eingeweihte wissen jedoch, dass hiermit lediglich dazu aufgerufen wird, in der Verständigungssprache der Gruppe zu bleiben, anstatt aus Bequemlichkeit in die Heimatsprache oder ins internationale Englisch zu wechseln.
„PAD- einsteigen!“- spätestens jetzt wird jedem Menschen auf dem Bahnsteig klar, dass er sich besser auf eine fröhlich-laute Bahnfahrt gefasst macht, wenn er mit dem Pulk an PADlern in die Bahn steigt. Denn nun wird er, ob er will oder nicht, ausführlich über die letzten Ereignisse und vieles mehr informiert, was die Gruppe in angeregten Gesprächen rekapituliert.
Ohne Zweifel ist der Programmpunkt namens „Essen gehen“ einer der großartigsten des Programms. In der Regel zweimal täglich taucht die Gruppe in eine kulinarische Facette der Welt ein, die nicht selten dem ein oder anderem Preisträger aus seiner heimatlichen Küche bekannt ist. Königsdisziplin beim Essengehen ist es, das Budget von 15€ pro Person optimal auszunutzen. „Alex, nimm du doch den vegetarischen Burger und die hausgemachte Limo, ich bestell´ die italienischen Nudeln mit Cola und dann reicht unser Geld noch genau für ´ne Extraportion Mayo.“ So macht man das.
„Morgen geht es pünktlich um acht Uhr los!“ ist die Ansage der Reiseleitung während der abendlichen Ansagen. Das Adjektiv „pünktlich“- ohne Zweifel eines der beliebtesten Worte der Deutschen- erfährt während der vier Wochen im Gastgeberland einen beachtlichen Bedeutungswandel. Ein Beispiel:
Am zweiten Tag in Bonn kommen zweiundzwanzig Minuten nach der verabredeten Zeit zwei Preisträgerinnen in aller Seelenruhe zum Treffpunkt geschlendert, jede einen „Triple Choc ´n Cocanut Ice-Moccachino mit cookiedough-flavoured Sirup“ in der Hand und in bester Laune- ganz im Gegensatz zur Reiseleiterin, welche Zeitplanverschiebungen gar nicht gern hat.
Gegen Ende der Reise stehen dieselben Mädels zehn Minuten vor Start des Stadtrundgangs in der Lobby des Münchener Hotels und warten auf die Reiseleiterin.
Jede freie Minute wird mit dem Spiel „Werwolf“ zugebracht. Die Karten des Rollenspiels sind immer dabei und sogar mehrere Gruppen können gemeinsam spielen. „Wieso werde immer ich als erstes von den Werwölfen gerissen?“, fragt sich das etwas ungeschickt „Blinzelnde Mädchen“.
PAD-Vokabular wird einmal erlernt und nie wieder vergessen, besonders, da es bis zur nächsten Saison zum Glück nie länger als ein Jahr hin ist. Denn dann heißt es wieder: „PAD-einsteigen!“

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